Wir hören uns im Kino!

Berufsvereingung der Filmtonschaffenden Österreichs

TON IM FILM

Dass Film ein audio-visuelles Medium ist, mag eine Binsenweisheit sein. Dennoch wird der Diskurs über seine Gestaltungs- und Wirkmechanismen auch nach beinahe einhundert Jahren Tonfilm immer noch vom Bildlichen dominiert. Dementsprechend schwer tun sich Tondepartments quer über den Erdball zu erklären, was sie da eigentlich treiben und welche enormen Chancen aber auch Risiken die Tonspur für die Filmerzählung mit sich bringt. Auf den folgenden Seiten möchten wir etwas Licht in die Sache bringen.

DAS FILMTON­DEPARTMENT

Wer macht was am Filmton?

An der Tonspur eines kommerziell hergestellten Filmes ist im Lauf der Produktion eine ganze Reihe von Filmschaffenden beteiligt – von der Originaltonaufnahme am Set, über die Montage bis hin zur Mischung und der technischen Fertigstellung – und nicht selten dauert die Tonfertigstellung eines Filmes sogar länger als etwa der Bildschnitt.
Zwischen dem Gros der Filmschaffenden am Set und dem Tondepartment gibt es dennoch kaum Berührungspunkte, sieht man vom, in der Regel zahlenmäßig kleinen, Originaltonteam ab. Selbst die Regie, die natürlich auch in der Tonpostproduktion künstlerisch entscheidend wirkt, hat nicht zwingend Kontakt mit jeder oder jedem beteiligten Kreaktiven. Kein Wunder also, das selbst Experten oft nicht genau wissen, welche Bereiche die einzelnen Mitglieder eines Tondepartments im Detail zu verantworten haben.
Im folgenden Artikel wird die Entstehung des Filmtons schematisch nachgezeichnet und ein Überblick über Arbeitsschritte und Personal geboten. weiter lesen >>>

BERUFSBILDER

Originaltonmeister*in

Andere Bezeichnungen sind: Settonmeister*in oder einfach nur Tonmeister*in. Im Englischen wird diese Position location sound recordist oder auch production sound mixer genannt.

Die oder der Settonmeister*in ist head of department, was die Filmcrew am Set, also während der Produktionsphase eines Films, betrifft. Sie / Er ist primär zuständig für die technisch und künstlerisch korrekte Aufnahme des Originaltons während des Drehens, wobei hier der Schwerpunkt zumeist auf dem Dialog und den Aktionsgeräuschen der Darsteller liegt. Hinzu kommt die organisatorische und dispositorische Verantwortung in Bezug auf alle Erfordernisse der Tonaufnahme (z.B. die Bereitstellung von Geräten), die Abstimmung mit den übrigen head of departments und natürlich die Kommunikation mit Regie und Produktion.

Für Details zum Berufsbild, notwendigen Anforderungen, Ausbildung etc. bitte weiterlesen >>>

Sounddesigner*in

Früher als Toncutter*in, Tonschnittmeister*in bezeichnet, hat sich heute im deutschsprachigen Raum der Begriff Sounddesigner*in durchgesetzt. Auch die Termini Soundeditor, Supervising Sound Editor und Sound Supervisor kommen vor. Auch im englischsprachigen Raum selbst gibt es für diese Position keine einheitliche Bezeichnung.

Die oder der Sounddesigner*in ist head of department, was die künstlerischen Entscheidungen während des Tonschnitts betrifft und koordiniert in der Regel die Arbeit der übrigen beteiligten Soundeditor*innen, Foley Artists usw. Welchen Teil des Tonschnitts sie / er dabei selbst übernimmt ist unterschiedlich und hängt stark von eigenen Präferenzen und der zur Verfügung stehenden Zeit ab. Jedenfalls liegt es in ihrer / seiner Verantwortung die Vorstellungen der Regie künstlerisch und technisch adäquat umzusetzen. 

Für Details zum Berufsbild, notwendigen Anforderungen, Ausbildung etc. bitte weiterlesen >>>

Mischtonmeister*in

coming soon …

Foley Artist

coming soon …

Synchrontonmeister*in

coming soon …

Boom Operator

coming soon …

Utility Sound

coming soon …

MATERIALIEN
KONZEPTE
TEXTE

14 Forderungen für eine bessere Zusammenarbeit

Die folgenden 14 Forderungen entstammen einem Positionspaier für die Filmpostproduktion in Frankreich, herausgegeben im Februar 2019 von den Berufsverbänden L’ASSOCIATION DES ARTISTES BRUITEURS (ADAB), L’ASSOCIATION DES MIXEURS (ADM), L’ASSOCIATION FRANÇAISE DU SON À L’IMAGE (AFSI) und LES MONTEURS ASSOCIÉS (LMA).

Im November und Dezember 2018 kamen an die 160 französiche Editoren, Sounddesigner, Foley Artists, Mischtonmeister und Postproduktionssupervisor zusammen um Erfahrungen auszutauschen und Vorschläge zu erarbeiten, wie der dramatischen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in der Postproduktion etwas entgegengesetzt werden könnte. Im Vorwort heißt es dazu:

Obwohl wir bereits wussten, dass unsere Berufe im Tarifvertrag für die Filmproduktion ungerecht behandelt werden, lieferte diese nationale Konsultation uns erst die Instrumente, um die Zunahme der Arbeitsbelastung, die Kürzung der Budgets, die Komprimierung der Arbeitszeit, die Inkohärenz der Zeitpläne, die wachsende Kluft zwischen unseren Berufen, den zu geringen Einsatz von Assistenten und die Zunahme der Delokalisierung zu messen…

Ein bestimmtes Wirtschaftsmodell hat Wind in den Segeln und gewinnt jedes Jahr an Gewicht: Paketdeals oder, mit anderen Worten, Rundum Sorglos Pakete für Filmpostproduktionen. Die Produktionsfirmen lagern damit den Herstellungsprozess der Tonnachbearbeitung, des Sounddesigns und oft auch bereits schon der Schnittassistenten teilweise oder vollständig aus.

Auch wenn es dieses Geschäftsmodell vordergründig ermöglicht, mit den für die Postproduktion veranschlagten Budgets auszukommen, schadet es dem kreativen Prozess des Films erheblich. Der Grund dafür ist, dass die Postproduktion – trotz der Zweideutigkeit ihres Namens – in jeder Phase der Filmherstellung Teil der Entstehung des Filmes ist. Ihre technischen und künstlerischen Fragen sind ein integraler Bestandteil der Herstellung eines Films.

Es müssen daher stets die Frage, was im Zuge der Postproduktion geschehen soll, im Auge behalten werden und es muss zugleich garantiert sein, dass Regisseurinnen und Regisseure sich ihr Team weiterhin frei aussuchen können um ihre Vision verwirklichen zu können.

Es ist dringend notwendig, dass wir handeln!

Das Ergebnis der Beratungen ist ein mehr als 50 Seiten starkes Dokument, in dem detailreich erklärt wird, wie es zu den einzelnen Forderungen kam und warum sie für die Verbesserung der Zusammenarbeit in der Filmpostproduktion so wichtig sind.

Am Ende steht ein dringender Appell:

Diese Vorschläge sind realistisch; sie müssen nur umgesetzt werden!
Wir bitten alle, die in diesem Bereich tätig sind, insbesondere Produzenten, Herstellungs- und Produktionsleiter, sowie Postproduktionsleiter diese Vorschläge umzusetzen um nicht nur unsere Berufe, sondern auch die Vielfalt und Qualität unserer Filme am Leben zu erhalten!

Die Berufsvereinigung Filmton Austria kann sich dem nur anschließen und hat sich daher die Mühe gemacht, eine Kurzfassung der 14 Vorschläge ins Deutsche zu übersetzen. Die vollständigen Dokumente in Französich und Englisch stehen rechts zum Download bereit.

Zu den 14 Forderungen …

Randy Thom über Sounddesign

The biggest myth about composing and sound designing is that they are about creating great sounds.  Not true, or at least not true enough.  

What is Sound Design?  
You may assume that it’s about fabricating neat sound effects. But that doesn’t describe very accurately what Ben Burtt and Walter Murch, who invented the term, did on „Star Wars“ and „Apocalypse Now“ respectively.  On those films they found themselves working with Directors who were not just looking for powerful sound effects to attach to a structure that was already in place.  By experimenting with sound, playing with sound (and not just sound effects, but music and dialog as well) all through production and post production what Francis Coppola, Walter Murch, George Lucas, and Ben Burtt found is that sound began to shape the picture sometimes as much as the picture shaped the sound.  The result was very different from  anything we had heard before.  The films are legends, and their soundtracks changed forever the way we think about film sound.  weiter lesen auf filmsound.org >>>

See with your ears - Steven Spielberg und Sounddesign

Wer sehen möchte, wie zum Beispiel jemand wie Steven Spielberg weiß Ton als Gestaltungsmittel einzusetzen, für den haben wir hier ein Video verlinkt, das es wert ist gesehen zu werden.

Erstellt wurde es von Evan Puschak, der unter dem Pseudonym Nerdwriter für das Portal Creative Planet Network schreibt. Im Einleitungstext zum Video heißt es:

So schön die Kinematografie von Janusz Kaminski auch ist, „München“ ist auch ein Film, der gehört werden will.

Obwohl Filme als vorwiegend visuelles Medium erscheinen, ist das Visuelle in den Worten des Nerdwriters Evan Puschak: „.. einfach die Oberfläche des Geschehens, während der Ton der eigentliche Puppenspieler ist, derjenige, der wirklich die Macht hat. Das folgende Video schlüsselt das Sounddesign in einer Szene aus dem Film „München“ (2005) auf und widmet sich der Frage, wie Steven Spielberg und Sounddesigner Ben Burtt den Ton so manipulieren, dass man wortwörtlich „mit den Ohren sehen“ kann.

Wie Puschak selbst sagt: „Ein Schlüssel zur Macht des Sounddesigns ist seine Unsichtbarkeit. Wenn ein Dialog nahe klingt, dann ist man schon nah am Geschehen“. Da wir Bilder auf einer Leinwand unmittelbar als realistisch empfinden, merken wir nicht, dass in Wahrheit der Ton unsere Aufmerksamkeit (fehl)leitet, d.h. uns Dinge zeigt, die etwa weit weg sind und trotzdem sehr nah klingen.

In der analysierten Sequenz warten Eric Bana und sein Team von Attentätern darauf, dass die Familie eines Mannes abreist, damit sie diese Zielperson mittels einer Bombe töten können, sobald diese ans Telefon geht (wodurch die Bombe erst ausgelöst wird).

Spielberg und Burtt erreichen ihr Ziel, indem sie „zuerst ein Bett aus konstanter, lauter Stadtatmosphäre aufbauen und dann Schlüsselgeräusche herausgreifen und aneinander reihen“. Zu den Sounds, welche die eigentliche Geschichte erzählen, gehören das Geräusch des Autos des Attentäters, wenn es ankommt, dann der Dialog der Tochter und der Frau des Mannes, wenn sie aus dem Haus kommen, gefolgt von einem Signal, das anzeigen soll, das der Plan nun umgesetzt werden kann. Aus dem Nichts ertönt jedoch plötzlich das Dröhnen eines Lastwagens, eine unerwartete Entwicklung, die den Plänen der Attentäter einen Strich durch die Rechnung macht. Weil der Lkw ihnen die Sicht versperrt ist es ihnen nicht möglich zu sehen, dass das Auto mit Mutter und Tochter zurückkehrt, weil die Tochter etwas in der Wohnung vergessen hat. Während sie ins Haus läuft, steigt die Spannung. Die Geräuschkulisse wird immer impressionistischer und gipelt schließlich in einem Moment totaler Stille kurz vor der Explosion.

Puschak merkt an, dass jeder, der sich für Filmemachen interessiert, versuchen sollte, eine Szene wie diese zu erschaffen, also eine Szene „ohne Dialog, ohne Musik, nur mittel Kameraführung und Sounddesign erzählt“. Dieses Video lässt einen in ausgezeichneter Weise miterleben, wie klug eingesetztes Sounddesign weniger ein „realistischer“ Kontrapunkt zur Handlung auf der Leinwand ist, sondern eher zum unsichtbaren Geschichtenerzähler wird.

Zum Video SEE WITH YOUR EARS auf www.nofilmschool.com (2018)

Sound Is - interaktive Dvd

Sound Is .. DVD Cover

.. almost like a drug.
It’s so pure that when it goes in your ears, it instantly does something to you.

(David Lynch)

 

 

Eine interaktive DVD über Filmtongestaltung.
Realisiert mit freundlicher Unterstützung von:

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FILM bedient sich vieler Gestaltungsmittel. Der Ton ist aufgrund seiner Eigenschaft, direkt auf unsere Emotionen einzuwirken, ein ganz wesentliches davon. Er hilft mit, auf der Leinwand eine phantastische Wirklichkeit entstehen zu lassen, Raum und Zeit zu beschreiben, unsere Aufmerksamkeit zu lenken, Spannung zu erzeugen und den Menschen, Dingen und Orten ihren spezifischen Charakter zu verleihen.

DAS KINO st ein magischer Ort, im Grunde aber nicht mehr als eine technische Apparatur. Deshalb bedarf es der gekonnten Transformation von Bild und Ton, um die Wirklichkeit der Natur in jene des Filmes zu übertragen.

DER FILMTON durchläuft von der Aufnahme am Set bis zur Projektion eine Vielzahl von Bearbeitungen.  Was uns am Ende als vollkommen natürliche Klangebene erscheint ist in Wahrheit das Ergebnis eines aufwändigen künstlerischen Prozesses. Und der wird meist dann als gelungen angesehen, wenn er selbst nicht mehr bemerkt werden kann, sondern Ton und Bild vollkommen verschmelzen.

DAS SOUNDDESIGN st jener Montageprozess, in dem das  klangästhetische Konzept eines Filmes entworfen und umgesetzt wird. Hier entsteht eine Unzahl von Tonspuren, angeordnet in den Ebenen SPRACHE, GERÄUSCHE, ATMOSPHÄREN und MUSIK. Dies ist unter anderem zweckmäßig, um neben der Originalfassung auch eine internationale Tonmischung herstellen zu können. Sie beinhaltet keine Sprache und ist die Basis fremdsprachiger Synchronfassungen.

sound_is_tonselektor.pngDIESE DVD richtet sich an Insider, Branchenkollegen, Studenten und interessiertes Fachpublikum. Sie gibt Ihnen die Möglichkeit einen Blick hinter die Kulissen der Tongestaltung zu werfen. Es werden Ausschnitte aus österreichischen Kinofilmen präsentiert und Sie selbst können wählen, welchen Ton Sie hören. Ein Erläuterungstext bietet zudem Hinweise darauf, was an dem jeweiligen Ausschnitt besonders beachtenswert ist.
Hören und sehen Sie Film einmal anders und vergleichen Sie etwa die Endmischung mit der internationalen Fassung oder dem Originalton vom Set. Widmen Sie sich ganz den Geräuschen oder lassen Sie einfach nur mal die Musik weg.

INFO
Die DVD beinhaltet keinen Film sondern ein Programm. Zum Abspielen ist ein Computer mit installiertem Adobe Flash-Player notwendig.
Die DVD ist kostenlos (solange der Vorrat reicht) und kann über den VOESD bezogen werden. Kontaktieren Sie eines unserer Mitglieder oder schreiben Sie uns eine Mail an .

Das Material auf dieser DVD ist urheberrechtlich geschützt. Jede unauthorisierte Vervielfältigung oder Veröffentlichung – insbesonders in Online-Medien – ist untersagt.

Sounddesign erkennen

Wie erkennt man die Arbeit von Sounddesigner*innen? Am besten gar nicht, würde diese wohl antworten, gilt es doch als höchstes Ziel, die akustische Ebene eines Films so stimmig und subtil zu gestalten, dass sie sich vollkommen harmonisch in den Erzählfluss einfügt. Das macht natürlich allen das Leben schwer, die das Sounddesign eines Filmes vielleicht beurteilen möchten – Mitgliedern der Jury eines Filmfestivals zum Beispiel.

Der folgende Artikel wurde daher ursprünglich auch für die DIAGONALE, das Festival des Österreichischen Films verfasst, das seit dem Jahr 2013 auch Preise für das beste Sounddesign von Spiel- und Dokumentarfilmen vergibt. weiterlesen >>>